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Plínio Marcos war 23 Jahre alt, als er sein erstes Theaterstück schrieb:
„A Barella“ – über eine Vergewaltigung im Knast. Die Vergewaltigung eines Freundes, der daraufhin vier Mitinsassen erstach. Plínio Marcos musste diese
Geschichte einfach aufschreiben, um sie zu verarbeiten und die einzige ihm zugängliche Form war der Dialog.
Er brach alle Tabus, zerrte Brasilien mit all seinen Schichten ins Bühnenlicht:
den Underdogs, Prostituierten und Kriminellen, den Drogenabhängigen und Transvestiten. Mit dem Zynismus, mit der vermeintlichen Härte der Gestrandeten. Und er ließ ihnen ihre eigene Sprache. Harte Kost für die
theaterinteressierte brasilianische Mittelschicht.
„Du hast es geschafft, ein großartiges Stück zu schreiben mit fünfzehn umgangsprachlichen und zweihundert
obszönen Wörtern“, sagte eine prominente brasilianische Kulturkritikerin und gab seinem Stück im etablierten Theater keine Chance.
1959 wurde „A Barella“ dann doch uraufgeführt, bejubelt und sofort von der Zensurbehörde verboten. Erscheinen konnten viele seiner Texte nur im illegalen Selbstverlag als “Literatura de cordel.” Wie fast alles, was Plínio Marcos bis 1979, als endlich die „abertura“, die politische Öffnung Brasiliens kam, geschrieben hatte.
Plínio Marcos bezeichnete sich selbst als „Analphabeten.“ Mit Mühe hatte der unangepasste Sohn eines kleinen
Bankangestellten die Hauptschule geschafft. Lieber war er mit „seinen Leuten“ aus dem Zirkus zusammen, wo er nach der Armee auch als Clown und Anekdotenerzähler gelandet war. Nun, nach seinem Skandalstück, wurde er,
ähnlich Brechts Baal, als „Genie aus der Gosse“ auf den Partys der Intellektuellen herumgereicht, die er bei
dieser Gelegenheit auch schon mal um ihre Brieftaschen erleichterte. Beckett und Arrabal hatten Gefallen an dem
jungen Dramatiker und unterwiesen ihn in modernem Drama. Als sein zweites Stück aber nicht die ausreichende Substanz aufwies, ließen sie ihn wieder fallen.
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