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Es folgte eine Menge Jobs für Plínio Marcos: Tagelöhner im Hafen,
Schauspieler und Regisseur im Gewerkschaftstheater, „Mädchen für alles“, Straßenhändler. Als er mit gestohlenen Kofferradios dealte, traf er auf Leute von Augusto Boals „Teatro de Arena“. Hier entstand eine Reihe
seiner wichtigsten Stücke, wie „Dois Perdidos numa Noite Suja“ („Zwei Verlorene in einer schmutzigen Nacht“) und „Navalha na Carne“ („Messer im Fleisch“). Die „zwei Verlorenen“ wurden verboten, „Messer im Fleisch“
erhielt Bombendrohungen und konnte nur noch in einer Privatwohnung vor geladenen Gästen gespielt werden.
Plínio Marcos schrieb über vierzig Theaterstücke, Romane und Kurzgeschichten, die immer wieder der
Zensur zum Opfer fielen. Marcos erhielt Morddrohungen, wurde bei Lesereisen von der Gendarmerie an Bushaltestellen abgefangen und am Aussteigen gehindert, bekam keinen Einlass in Universitäten, in denen sein Werk
gerade Seminarthema war.
Obwohl seine Stücke weltweit gespielt wurden und werden, lebte er in Armut. Als eine
Literatur-Stiftung die Rechte an seinen Stücken für zehn Jahre kaufte, zog er aus dem Prostituiertenviertel Sao Paulos in ein eigenes Appartement um – in die selbe Wohngegend wie Präsident Fernando Henrique Cardoso.
Plinío Marcos starb am 19.11.1999 an einem Herzinfarkt.
Plínio Marcos’ heftige Sprache und Szenarien schockieren uns heute nicht mehr, in ihrer Form sind
seine Stücke längst zum Alltag in Kunst, Literatur und Theater geworden. Doch in ihren Inhalten sind sie aktueller denn je.
Als autor maldito, als einen „geächteten Autoren“, bezeichnete sich Plínio Marcos 1986 in einem
Interview mit Henry Thorau. Damals war er, einer der wichtigsten brasilianischen Gegenwartsautoren, wieder einmal als Straßenhändler unterwegs – fürs eigene Überleben: Er verkaufte aus Obstkisten seine Bücher und
Stücke:
„Billige schlechte Bücher! Treten Sie näher, meine Herrschaften!
Riskieren Sie einen Blick! Wenn Sie nur eine einzige Seite finden, meine Dame, wo weniger als zehn mal Sch... steht, haben Sie einen Kleinwagen gewonnen! Billige schlechte Bücher! Mit Widmung vom Verfasser! Und dem
Versprechen bald abzukratzen. Damit haben Sie eine echte Wertanlage im Bücherschrank.“
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